
Es ist wieder Frühling geworden. Die Laubbäume im Garten haben zarte Blätter, die Frühlingsblumen haben Blüten, die Schmetterlinge haben Lust, dazwischen herumzufliegen und unsere kleine Gipsy hat einen dicken Bauch. Sie ist mittlerweile fix eingezogen und hatte offensichtlich auch schon ein amouröses Abenteuer mit irgendeinem Streuner.
Ich komme vom Fotostudio nach Hause und trage die Kameras ins Büro. Gipsy begrüßt mich und läuft zwischen meinen Beinen durch. Ich kraule sie, sie gibt sich damit nicht zufrieden und wirkt trotz ihres Aussehens irgendwie unrund. Dann läuft sie ein Stück die Stiege hinauf und wartet. Als ich nicht nachkomme, läuft sie wieder herunter, zwischen meine Beine und wieder hinauf. Als ob sie wollte, dass ich ihr folge. Sie will. Na gut. Hinauf ins Obergeschoß und weiter in ein Zimmer und über die steile Holztreppe ganz nach oben in die Galerie. Sie läuft – oder wackelt – voraus und dreht sich immer wieder um, ob ich ihr auch folge. Dann zeigt sie mir ihr Geheimnis. Hinten im letzten Winkel hat sie auf einer Decke ein Nest gebaut, rund und weich. Na so eine Brave, dann wird’s wohl jetzt bald losgehen mit der Geburt.
Aufgeregt renne ich die Stufen hinunter, um Evelyn zu erzählen, dass da oben jetzt gleich kleine Katzenbabys geboren werden, hinter mir wackelt die Gipsy daher und miaut, sie erzählt es auch. Dann wieder von vorne, ein Stück hinauf und miauen, bis wir ihr nachkommen, offensichtlich will sie uns dabeihaben. Und so gehen wir mit ganz hinauf und setzen uns zu ihr und warten. Und warten. Ein unbeschreibliches Erlebnis, wieviel Vertrauen einem so ein quasi dahergelaufenes Tier schenken kann.
Irgendwann kommt Bewegung in die Sache und schon ist die erste kleine Fellkugel da, wird trockengeleckt und reckt sich und streckt sich und piepst und Gipsy erklärt uns miauend, was da grad so passiert und dass es gut ist, dass wir dabei sind. Und schon geht es weiter, nach kurzer Zeit ist Nummer zwei da, trocken lecken, strecken, piepsen. Gipsy putzt die beiden weiter und es schaut so aus, als ob es das auch schon gewesen wäre. Ungewöhnlich, nur zwei Junge. Doch dann tut sich wieder was, ein schwarzes Etwas kommt zur Welt, wird trockengeleckt. Aber kein Strecken, kein Piepsen. Es bewegt sich nicht. Wir werfen uns einen besorgten Blick zu, Gipsy leckt und massiert weiter. Nichts tut sich, die Zeit scheint stillzustehen. Dann, nach einer kleinen Ewigkeit geht ein Zittern durch den kleinen Körper, ein Mäulchenaufreissen, ein tiefer Atemzug und dann kräftiges Strecken und ein Piepsen, das wohl schon Ausdruck seines Lebensmottos ist: Hunger!
Gipsy schleckt weiter und die drei lassen es sich schmecken. Wir ziehen uns zurück und sind dankbar, dass wir das miterleben durften. Durchatmen, Kopfschütteln, in seinen ersten Sekunden auf dieser Welt hat er uns schon einen ordentlichen Schrecken eingejagt.
Dieser Pepper!
