
Da liegen jetzt also drei kleine Fellknäuel ganz oben im Haus und lassen sich von ihrer Mama fein bedienen, werden gesäugt und gewärmt und abgeschleckt und massiert. Gipsy hat großes Vertrauen in uns, wir dürfen ihre Babys angreifen und sogar kurz in die Hand nehmen. Zwei dreifärbige Kätzchen und ein schwarzweißer Kater. Nach einer Woche beginnen sie vorsichtig die Augen zu öffnen. Welche Augenfarbe sie wohl haben werden? Gelb? Grün?
Blau. Babykatzen haben immer blaue Augen, da die Melaninproduktion erst später einsetzt. Wieder was dazugelernt. Und auch die Minitiger lernen dazu. Herumkrabbeln. Laut miauen. Aufstehen und umfallen. Aufstehen und nicht mehr umfallen. Spielen. Balgen. Und da ist sie auch schon, die nächste Herausforderung: Wenn sie herumlaufen, ist es für sie da oben ziemlich gefährlich. Im offenen Stiegenhaus könnte ein Hüpfer oder Ausrutscher leicht vier, fünf Meter nach unten gehen. Also mache ich mich ans Werk und baue ihnen einen geschützten Bereich mit einer Abgrenzung aus Holzplatten, ein Kinderzimmer quasi. Gipsy kann darüberspringen, für die Kleinen ist die Holzwand das Ende ihrer kleinen Welt. Vorerst. Wobei – so klein ist diese Welt gar nicht, ein ganzes Zimmer und ein Teil der Galerie. Purer Kleinkatzenkomfort.
Nach gar nicht so langer Zeit scheint diese Welt der kleinen Dreifärbigen zu klein zu werden, sie möchte unbedingt wissen, was sich da hinter der Holzwand verbirgt. Sie ist die Neugierigste und Übermütigste des Trios, immer lustig und lästig und zeitweise ein kleines Monster, ein richtiger Gremlin. Gremlin! Da haben wir auch schon einen Namen für sie. Ihre Schwester hat die Farbe Rot im Fell, die nennen wir Chili und den schwarzweißen Kater Pepper.
Ein Gremlin wäre kein Gremlin, wenn er sich nicht gut verstecken könnte. Die Kleine ist plötzlich spurlos verschwunden. Na warte, gleich hab ich dich. Gipsy, Chili und Pepper schauen mir interessiert beim Suchen zu. Beim erfolglosen Suchen, denn sie ist … nicht da. Definitiv nicht. Die nächste Herausforderung. Ich richte mich auf, atme tief durch, da fällt in der Galerie ein Buch aus dem Regal. Hat es dieses Biest geschafft, meine unüberwindlichen Hürden zu überwinden und ihr Interesse für Literatur zu bekunden, indem sie das Bücherregal erklimmt. Ok, wenn ihr das unfallfrei schafft, können wir die Kinderstube wohl erweitern. Haus, mach dich bereit. Sie kommen.
