1 – Die Wunschliste

Kater im Garten

Also Ideen hat dieser Pepper, das muss man ihm lassen. Heute hat er mir nahegelegt, also eher … nahegeschmust, dass er Verständnis dafür hat, dass ich nicht ganz dicht sei.
Also eher ein bisschen begriffsstützig. Eingeschränkt belehrbar. Nicht die klügste Maus im Loch. Für einen mit mickrigem Haarwuchs, der sich nur auf zwei Beinen einigermaßen ansehnlich fortbewegen kann, eh nicht so schlecht. Aber wenn man den Kopf so weit oben hat, werde halt auch die Luft ein bisschen dünn, meint er.
Dabei seien seine paar Wünsche, deren für ein glückliches Katerleben unbedingt notwendige Erfüllung eigentlich keine Kunst sein könne, eh kein Auftrag. Schnurrt er mir ins Ohr. Und schmust eine kleine Liste hinterher:
Beim Füttern bitte immer die Sorte und Geschmacksrichtung wählen, die meinem augenblicklichen Geschmack entspricht. Der wechselt natürlich. Also immer mehrere Sorten anbieten. Und zwar die richtigen.
Futter, das ich stehen lasse, darf dazu verwendet werden, den Nachbarskater anzulocken. Dann muss ich ihn nicht besuchen, um ihm die Leviten zu lesen.
Wenn ich mich in einem Bett ausstrecke, stehen die Bettränder zur freien Verfügung.
Für Geschenke, die ich den Zweibeinern zu Trainingszwecken lebend ins Haus bringe, übernehme ich keine weitere Verantwortung.
Wenn ich vor dem Haus in der Sonne liege, hat der nachbarliche Autoverkehr Pause. Schlechtes Timing führt zu Wartezeiten.
Tierarztbesuche sind unnötig und künftig gefälligst zu unterlassen.
Ich antworte ihm frei nach Reinhard Mey, denn in einem bin ich als Mensch besser dran. Darum mag er mich beneiden, denn ich bin der von uns beiden, der den Futterschrank allein aufmachen kann.
Er hört es, wirft mir einen verächtlichen Blick zu und zieht von dannen. Ich bin gespannt, welches Geschenk mir der Pepper zum Dank in die Küche bringen wird und hole schon einmal die Küchenrolle …